Leiden Christi

Thomas-Titel

Leiden Christi

Sakrale Kunst in der Renaissance und der Barockzeit.

Vernissage mit Musik und Apero: 5. April 2019 ab 19.30 Uhr
Ausstellung: 6. bis 22. April 2019

täglich 10.00 bis 17.00 Uhr
auch Samstag und Sonntag
Eintritt frei

 

Liebe Freunde der Stiftung Kunst und Kultur Region Basel

Ich muss immer wieder feststellen, dass viele Erwachsene und Jugendliche die Leidensgeschichte Christi nur vage oder gar nicht kennen.

Für sie ist der Gründonnerstag ein Öko-Happening, der Karfreitag der Auftakt zu einem verlängerten Wochenende und Ostern das Fest der eierlegenden Hasen. Wenige sind sich bewusst, dass dies alles mit der Kreuzigung Jesu zu tun hat.

Nun wird aber eine Gesellschaft, der das grundlegende Wissen über den Ursprung ihrer Kultur, ihrer Werte, ihres Selbstverständnisses, ihrer Moral und nicht zuletzt ihres Rechtssystems abhandengekommen ist, sich selber fremd. Sie droht, ihre Seele zu verlieren. Gewisse Modernisten werden mir entgegenhalten, dass die christliche Heilsgeschichte ein alter, abgenutzter Hut sei, dass man heutzutage wissenschaftlich denken, zukunftsgerichtet handeln und sich der Modernität stellen müsse. Sie kommen mir vor wie Leute, die sich ohne Kompass in den Dschungel wagen und sich wundern, wenn sie sich hoffnungslos darin verlieren. Warum ist die Leidensgeschichte Christi für den modernen Menschen ein Kompass? Weil jeder Mensch in seiner kurzen Lebenszeit seinen eigenen Leidensweg – sprich Passion – durchmacht, an dem am Ende immer ein Grab auf ihn wartet. Dieses gemeinsame Menschenschicksal ist es, was uns jenseits aller kulturellen, sprachlichen und sozialen Unterschiede verbindet.

Ikonographisch hat sich der individuelle Lebensweg Christi – Passion, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt – in einem meist vierzehn Stationen umfassenden Kreuzweg niedergeschlagen. Ein Weg wie das Leben, an dessen Ende entweder alles zu Ende ist oder alles erst anfängt, je nachdem, ob man an die Erlösung und das ewige Leben glaubt oder nicht. Aber auch jene, die nicht glauben, dass Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben war, kommen angesichts eines Kreuzes nicht umhin, sich die Frage zu stellen, was denn ihr Weg, ihre Wahrheit und ihr Leben ist, kurz, was ihrer eigenen Existenz einen Sinn gibt. Vielleicht werden sie zum Schluss kommen, dass es halt doch die vorbehaltlose Nächstenliebe ist und dass jener, der sie bis zur letzten Konsequenz vorgelebt und dafür ans Kreuz genagelt wurde, ernst genommen werden müsse. Das mag mitunter helfen, das eigene Kreuz durch die Mühen des Alltags und die Wirren der Zeit zu tragen. Wie auch immer: die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und Gläubige sterben unbeschwerter.

Ich hoffe, dass diese Ausstellung Sie zum nachdenken bewegt.

Hermann Alexander Beyeler
Galerist und Kunstmäzen
Stiftung Kunst und Kultur Region Basel

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